100 Einsatzkräfte die ganze Nacht im Einsatz

Heiligenstadt. 100 Einsatzkräfte die ganze Nacht in Firma im Heiligenstädter Gewerbegebiet Ost im Einsatz. Produktionslinie glücklicherweise nicht betroffen.

22. August 2017 / 18:55 Uhr

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Bis in die Morgenstunden waren rund 100 Rettungskräfte im Einsatz, um die Flammen in einer Lagerhalle der Firma Muschert und Gierse in Heiligenstadt zu löschen. Foto: Eckhard Jüngel

Heiligenstadt. Als die Heiligenstädter Feuerwehr gegen 1.30 Uhr in der Nacht zu gestern bei der Firma Muschert und Gierse eintraf, stand eine der Lagerhallen im Vollbrand. Die Flammen schlugen bereits weithin sichtbar aus dem Dach der Halle. Sofort wurden die Wehren aus Uder, Siemerode, Günterode, Kalteneber, Bodenrode-Westhausen, Dingelstädt, Leinefelde und Worbis nahgefordert. Auch der neue Kreisbrandinspektor Mirko Lipinski war an die Einsatzstelle geeilt und stand den Führungskräften beratend zur Seite. Insgesamt waren über 100 Kräfte im Einsatz.

„Der in der hinteren Werkhalle ausgebrochene Brand fraß sich durch eine Innenwand und entzündete in einer vorgelagerten Halle deponierte Materialien“, schildert Franz Bierschenk von der Heiligenstädter Wehr. Insgesamt waren drei zusammenhängende Lagerhallen betroffen. Die Feuerwehr konzentrierte sich zunächst auf die Verhinderung der Brandausbreitung und musste den Einsatzort in vier Abschnitte einteilen. „In zwei Abschnitten wurde die Brandbekämpfung koordiniert.“ Mit allen drei Eichsfelder Drehleitern konnte das Feuer von drei Seiten gleichzeitig eingedämmt werden. Gleichzeitig gingen weitere Atemschutztrupps im Inneren gegen die Flammen vor. Sogar ein mobiler Wasserwerfer kam zum Einsatz. Die Wasserversorgung musste teils von der Leine über Schlauchleitungen sichergestellt werden, auch die Ostspange wurde voll gesperrt. Der Rettungs- und Sanitätsdienst übernahm die medizinische Betreuung und Versorgung der Einsatzkräfte.

„Trotz des großen Brandausmaßes wurden weder Mitarbeiter noch Einsatzkräfte verletzt“, herrschte große Erleichterung. Etwa 120 der rund 300 Mitarbeiter waren zur Zeit des Brandausbruchs im Gebäude. Sie wurden durch die Brandmeldeanlage gewarnt und konnten den Bereich eigenständig verlassen. Einige von ihnen hatten bereits erste Löschversuche unternommen, allerdings vergeblich.

Die Feuerwehren waren bis in die Morgenstunden mit den Löscharbeiten beschäftigt. Doch auch nach dem Signal „Feuer aus“ gab es eine nachhaltige Rauch- und Hitzeentwicklung. Immer wieder kontrollierten die Feuerwehrleute, ob noch Glutnester wieder aufflackern. Auch jetzt, wo der Brand gelöscht ist, gibt es noch eine nachhaltige Rauch-und Hitzeentwicklung. Die Kriminalpolizei Nordhausen eilte gestern nach Heiligenstadt, um die Ermittlungen zur Brandursache aufzunehmen. „Diese gestalten sich jedoch schwierig, da die Halle noch nicht begehbar ist“, so Polizeisprecherin Fränze Töpfer. Wahrscheinlich können die Ermittler erst am heutigen Mittwoch mit der Ursachenforschung beginnen.

Gert Middendorf, Seniorchef von Muschert und Gierse, war noch in der Nacht vom Stammsitz des Unternehmens nach Heiligenstadt gefahren. Er geht von einem deutlichen Millionenschaden aus. „Das muss abgewartet werden“, sagte er am Morgen. Glücklicherweise sei die Produktion selbst nicht gefährdet, da das Feuer im Versand- und Verladebereich ausbrach. Die Hallen seien in mehrere Brandschutzabschnitte eingeteilt, erklärte er. Das bedeute, dass der betroffene Bereich automatisch zum Beispiel durch sich schließende Türen, abgeriegelt werde. „Das hat auch hier gegriffen.“ Trotzdem umfasse der zerstörte Bereich etwa 6000 Quadratmeter. Auch fertige Waren, die für die Auslieferung bereit standen, wurden Opfer der Flammen. „Wichtig ist, dass jetzt kein Stillstand in der Produktion herrscht. Die Anlagen sind turnusgemäß wieder angelaufen“, so Middendorf. „Wir produzieren, das ist lebenswichtig für uns und die Arbeitsplätze hier. Das ist schon einmal ein Glücksfall.“ Middendorf lobte die „hochprofessionelle Arbeit der Feuerwehren mit kühlem Kopf“. Muschert und Gierse ist seit 1992 in Heiligenstadt ansässig. Die Firma ist auf die Oberflächenbehandlung von Metallen – galvanische Zink- und Zinklegierungsüberzüge sowie kathodische Tauchlackierung – spezialisiert und beliefert die Automobilindustrie.

Thüringer Allgemeine | Silvana Tismer / 22.08.17